Gemeindebrief Juni - August 2008 - Kirche Bad Bodenteich

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Ohne freie Sonntage droht ein kollektiver Burnout 

Bischöfin Margot Käßmann im Interview mit Ines Pohl von der Hersfelder Zeitung

Pohl: Kämpfen die Kirchen nicht am falschen Ende, wenn sie versuchen, die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage einzuschränken? 

Käßmann: Ich denke, das ist genau das richtige Ende, da eine Gesellschaft gemeinsame Feiertage braucht, einmal
natürlich für den Gottesdienst, aber auch, um einen gemeinsamen Rhythmus von Schaffen und Ruhen zu haben.

Pohl: Gleichwohl ist das Konsumieren für viele Menschen  zu einer Art Ersatzreligion geworden. Ist das nicht das eigentliche Problem, an dem die Kirchen ansetzen müssten?
 

 

Käßmann: Das ist sicher das eigentliche Problem, dass viele Menschen gar nicht wissen, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollen, wenn sie nicht einkaufen können. Deshalb haben wir beispielsweise extra ein kleines Buch mit Sonntagsideen zusammengestellt, also Vorschlägen, wie Familien ihre gemeinsame Zeit oder Einzelne ihren Sonntag gestalten können. Ich denke, in unserer Gesellschaft muss wieder deutlich werden, dass das soziale Gefüge daran hängt, dass wir zusammen freie arbeits– und einkaufsfreie Zeit verbringen.

Pohl: Aber genau hier setzen viele Konsumtempel ja an und bieten Familien tolle Freizeitangebote.
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Kaßmann: Aber letzten Endes geht es ums Einkaufen. Und wir wissen, dass viele Menschen in unserem Land es sich eigentlich gar nicht leisten können, so viel zu konsumieren. Wir haben eine stetig steigende Überschuldungsrate, mit der wir als Kirchen ja auch ständig zu tun haben, da Menschen über ihre Maße einkaufen und sich durch diesen Konsumbetrieb verführen lassen.

Pohl: Was bieten den Kirchen jenseits des klassischen Gottesdienstes an einem Sonntag?

Käßmann: Zunächst einmal: Der Gottesdienst ist ein relevantes Angebot, sich Zeit zu nehmen, über die wichtigen Dinge im Leben nachzudenken. Aber ansonsten gibt es natürlich Familientage Abendgottesdienste und Konzerte.

Pohl: Aber genau hier setzen viele Konsumtempel ja an und bieten Familien
Was ist mit den Menschen, die sowieso sonntags arbeiten müssen?

Käßmann: Das Eintreten für den gemeinsamen Rhythmus ist entscheidend. Auch ich muss ja sonntags arbeiten, aber ich empfinde den Sonntag nicht allein wegen des Gottesdienstes als einen besonderen Tag, sondern auch, weil die Verkehrsfrequenz zurückgeht, das ganze Getümmel, das sich sonst abspielt, wird weniger. Es ist eine andere Atmosphäre im Land, und ich glaube, dass wir irgendwann alle dem kollektiven Burnoutsyndrom unterliegen, wenn wir keine Rhythmen mehr haben von Schaffen und Ruhe.

Der Sonntag ist eine Auszeit vom Normalen. Und gerade Verkäuferinnen haben schon jetzt durch die ausgedehnten Ladenöffnungszeiten sehr große Schwierigkeiten, gemeinsame Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, wenn sie samstags bis 22 Uhr arbeiten müssen . Da bleibt nicht mehr viel Zeit für die Familie oder auch für jede Person selbst zu regenerieren. Deshalb muss wenigstens der Sonntag erhalten bleiben.
Quelle: epd

Die Broschüre ist zu bestellen bei 0511 / 1241399.
Die Sonntagskampagne „Gott sei Dank, es ist Sonntag“ findet sich unter www.sonntagsruhe.de