|
Ludza – seit vielen Jahren verbindet eine gute Partnerschaft diese lettische Kleinstadt mit Bodenteich. Und schon so mancher fuhr hin oder kam zu uns. Als der deutsch-sprachige Pfarrer Reinis Kulbergs, der u.a. auch für die ev.-luth. Kirchengemeinde Ludza zuständig ist, in diesem Jahr Bad Bodenteich zum ersten Mal besuchte, zeigte er den Bodenteichern ausführlich „seine“ Kirche, die an der „Latgalo iela“ in Sichtweite zur russisch-orthodoxen und zur römisch-katholischen Kirche liegt.
 Links die röm.-kath, in der Mitte die russ.-orthod., am rechten Rand die ev.-luth. Kirche  Zeitungsbild ca. 1925
| | 1845 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen der Kirche begonnen - ein ca. 20 x 14 m großes Gebäude mit einer Firsthöhe von ca. 10 m entstand; das Dach wurde von einem kleinen Dachreiter geziert.
Beschaulich ging das Leben damals zu. Die „Latgales iela“ mit Kopfsteinpflaster und Geschäften im Schatten vieler großer Bäume, Pferdefuhrwerke im Sommer und Pferdeschlitten im Winter – und mal läutete es von den Orthodoxen, mal von den Katholiken – oder es bimmelte von den Lutheranern …
|
 Plan von 1930
| | Doch Gebimmel und Dachreiter erschien einigen doch wohl etwas zu „mickrig“ – und so wurden 1930 Pläne eingereicht, die einen soliden 3 m hohen Turm nebst einem 9,5 m hohen Turmdach vorsahen.
1931 wurde der neue Turm geweiht
| |  Die neue Spitze ca, 1938
|
Während des 2.Weltkrieges wurde Lettland zuerst von Nazi-Deutschland besetzt, dann ab 1940 von der Sowjet-Union. In der Folge wurden Kirchen und kirchliche Gebäude enteignet und anderen Verwendungen zugeführt. Die ev.-luth. Kirche in Ludza wurde Lagerhalle - und da Lagerhallen keinen Kirchturm o.ä. brauchen, wurde der Dachreiter abgerissen.
Später wurde aus der Lagerhalle eine Turnhalle – und die Kirche bekam an der Südseite einen Anbau mit Waschräumen und Toiletten. |
| Der Anbau - erst Waschraum und Toilette, jetzt ein Laden - Foto 2005
|
Das neben der Kirche gelegene Pfarrhaus wurde in vier Wohneinheiten aufgeteilt und vermietet.
Nach der Unabhängigkeit Lettlands 1990 bedurfte es vieler, zäher Verhandlungen von Seiten der Kirchen, bis der Staat bereit war, Gebäude wieder zurück zu geben. Kirche als Turnhalle
| | So kam die Kirchengemeinde Rēzegne, zu der auch Ludza gehört, wieder u.a. in den Besitz des Kirchengebäudes und des Pfarrhauses. Im Letzteren dürfen die Mieter so lange wohnen, bis sie in eine Wohnung umziehen, die die Kirchengemeinde für sie gesucht hat. Zur Zeit sind noch zwei Wohneinheiten vermietet. 1998 wurde die Kirche Opfer des Vandalismus – etliche Fenster wurden eingeschlagen – es blieb nur noch die Möglichkeit, die Fenster mit Metallplatten gänzlich zu verschließen, um weiteren Schaden durch Menschen – und durch das Wetter – zu verhindern. |  Das Pfarrhaus - jetzt "Gemeindehaus" ca. 2009
| | Wetter und Verwahrlosung hatten am Gebäude genagt: fehlende Fallrohre führten zu feuchten Wänden und „zerbröselte" die Fundamente; die Schäden am Dach führten zu feuchten Decken und faulenden Balken und ließen die Deckenvertäfelung sich langsam gen Fußboden neigen. |
Unter dem jetzigen Pfarrer Reinis Kulbergs begann die dringendst notwendige Renovierung der Kirche.
Der erste große Einsatz erfolgte am 19. April 2003, als etliche Studenten aus der Hauptstadt Riga eintrafen, die Fenster wieder „öffneten“ und tatkräftig anpackten und somit der Gemeinde zeigten: es geht! Es geht wirklich! Hier tut sich etwas. Man muss nur zupacken und anfangen!
Am Abend dieses Tages, des Karsamstags, wurde seit Jahren zum ersten Mal wieder bei Sonnenlicht der Gottesdienst gefeiert.
 19. April 2003 Studenten aus Riga "öffnen" die Fenster
 Studenten renovieren freiwillig und kostenlos die Kirche
Ludza liegt in der Region Lettgallen (lettisch: Latgale), die in dem sehr armen Land das Armenhaus darstellt. U. a. aufgrund historischer, politischer, wirtschaftlicher Bedingungen ist die Renovierung einer Kirche ein Wagnis, vor allem, wenn man bedenkt, dass – neben Katholiken, Russisch-Orthodoxen, Alt-Orthodoxen, Baptisten, Adventisten und „Agnostikern“ die Lutheraner die kleine Glaubens-Gruppe bilden. Doch mit Geschick, Beharrlichkeit, Pfiffigkeit, Geschäftstüchtigkeit und einem starken Glauben schaffte er es, so dass die Kirche von Ludza im Mai 2009 schon „fast fertig“ renoviert war.
Selbst ein Sturm, der am 10. 01. 2005 die Kirche abdeckte, konnten ihn nicht bremsen: neue Dachbalken, neue Dachsparren, neue Dachbedeckung, neue Deckenvertäfelung, neue Kirchenbänke, neuer Wand-Anstrich, neue Fenster, neue Türen, neues Fensterglas, ...
 Karsamstag 2003 – Gemeinde und Studenten feiern mit Pfarrer Kulbergs das Heilige Abendmahl
 Hauptportal vor der Renovierung 2004
| |  ... nach der Renovierung 2009
|
 10. 01. 2005 – der Sturm hat die Kirche abgedeckt
 2006 – „es ist noch viel zu tun!“
 September 2008 – die neue Decke fast fertig – neue Kirchenbänke schon da…
Improvisation ist alles: 1 Brett + 3 Bierkisten = 1 Kirchenbank … und das Improvisieren hat bald ein Ende
 Weihnachten 2008 - auch die "Orgel" ist neu - und mit eigenen Beinen
 Mai 2009 Das erste Konzert in der fast fertigen Kirche
|